Von seiner Säule aus, streckt Kolumbus seinen Arm über den Hafen hinweg nach Westen. Vor ihm liegt das Meer, in seinem Rücken öffnet sich die Hauptstadt Kataloniens – ein Feuerwerk gegensätzlicher Strömungen in Kunst, Architektur, Design und Städteplanung, spannend kombiniert und inspirierend.
Barcelona ist zum einen die Stadt des Modernisme – des katalanischen Jugendstils, dessen berühmte Vertreter Lluis Domenec i Montaner und Antoni Gaudi mit zahlreichen von ihnen gestalteten Bauwerken den Charakter Barcelonas prägen.
Gleichzeitig haben moderne Architekten wie u.a. Frank Gehry und Jean Nouvel ihre ungewöhnlichen Bauten wie Objekte in der Stadt platziert – einen kupfernen leuchtenden Fisch und den schillernden
Turm von Glóries, eines der Wahrzeichen der Stadt, doch es gibt noch viel mehr: ein riesiges Windsegel am Strand von Barceloneta – das Hotel Vela, ein futuristisches Ensemble – das neue Design Museum um nur einige der zackigen, spritzigen Highlights zu nennen, die Barcelonas Stellung als internationales Zentrum der Avantgarde in Kunst, Architektur und Design auszeichnet.
Auch für bildende Künstler wie Picasso, Miró oder Antoni Tapiés war Barcelona ein wichtiger Ort ihres Schaffens: im Museo Picasso im Altstadtviertel El Born gelegen, kann man die ersten Phasen künstlerischen Schaffens von Picasso erleben, die Fundació Joan Miró auf dem Montjuic, zeigt Werke des Künstlers in einem lichten mediterranen Bau und die Fundació Antoni Tapíes ist den Arbeiten dieses katalanischen Meisters der Stilrichtung Informel gewidmet.
Eine angenehme Besonderheit dieser Stadt ist, dass moderne Kulturforen und Museen meist mit schön designten Restaurants und Bars aufwarten, in denen man sich niederlassen und erholen kann.
Neben Besuchen der künstlerischen und architektonischen Highlights Barcelonas, wollen wir auch in diesem Workshop hinter die Kulissen der Stadt schauen. Wir werden uns intensiv mit der Geschichte der ehemals römischen Stadtgründung „Barcino“ und ihrer Entwicklung zum heutigen Barcelona beschäftigen. Nicht umsonst existiert der Begriff „Modello Barcelona“. Ursprünglich positive Neuerungen, wie die Gestaltung der Stadt für die 1992 hier ausgetragenen Olympischen Spiele haben Barcelona für den Tourismus attraktiv gemacht, doch leider sind Overtourism und der Anstieg der Mietpreise die Folge. Die Begrünung der Innenstadt mit verkehrsberuhigten Straßen und grünen Inseln – eigentlich eine gute Idee, haben jedoch ungeahnte soziale Folgen. Studierende und Aktivisten, die zu urbanen Problemen in Barcelona forschen, werden uns bei einem Stadtspaziergang einen Einblick in die aktuelle Problemlage ihrer Stadt geben.
Ein besonderes Erlebnis wird ein Nightwalk mit dem Kulturanthropologen Raffael Clua Garcia sein, der uns in die nächtlichen Gefielde der Stadt führen wird – in den Bauch Barcelonas, in dem die meisten Nachtschich-Arbeitenden einen migrantischen Hintergrund haben und für das taggewohnte Auge unsichtbar bleiben. Zusammen werden wir überlegen, was es bräuchte um aus Barcelona eine inklusivere Stadt zu machen.
Ein besonders spannender Ort ist das ehemalige Industrieviertel Poblenou, in dem sich vom 18. Jahrhundert an wichtige Produktionsstätten befanden. Heute haben sich in den ehemaligen Fabrikhallen Galerien, Studios und Start Ups niedergelassen. Inmitten des coolen Flairs schieben Migranten aus Senegal oder Nigeria Einkaufswägen durch die Straßen. Sie sammeln darin Elektro – und anderen Schrott um ihn in den sog. „chaterrerias“ – den Metallrecyclinghöfen zu sortieren und die wenigen Euros die sie dafür bekommen zu kassieren. Dr. Juliane Müller von der Uni Barcelona forscht genau zu diesen Umschlagplätzen und ihren Betreibern inmitten dieses aufstrebenden Kreativ-Bezirks. Mit ihr werden wir einen Nachmittag im Poblenou verbringen und Gelegenheit zu Kontakt und Gesprächen haben.
Last not least werden wir im Stadtviertel El Born den Verlauf der römischen Stadtmauer quer durch mehrere Wohnhäuser verfolgen, im historischen Stadtmuseum auf die römischen Grundfesten des antiken Barcino hinabsteigen, viele schöne kleine Läden und Werkstätten besuchen, an Plätzen und Kirchen verweilen und junge Designer- und ModemacherInnen ihren Studios besuchen.
Wir werden:
- das lebendige migrantisch geprägte Stadtviertel El Raval durchqueren
- auf einer Stadtführung mehr über die Geschichte Barcelonas erfahren und im Historischen Museum auf die Grundmauern des antiken „Barcino“ hinabsteigen.
- uns mit dem Modernisme, dem katalanischen Jugendstil beschäftigen und das wunderbare ehemalige Krankenhaus „Recinte Modernista Sant Pau von LLuis Domenech i Montaner, sowie die Casa Batló von Antonio Gaudi besuchen.
- die Ausstellung „Matter matters“ im Design Museum besuchen, den Torre de Glóries aus nächster Nähe betrachten und evtl. besteigen
- einen Nachmittag im Poble Nou verbringen und einen Einblick in die Recycling Werkstätten erhalten
- die Fundación Joan Miró auf dem Montjuic besuchen
- mit dem Schiffchen vom Hafen aus an den Strand von Barceloneta und den Port Olímpic fahren und dabei spannende Kunstobjekte und Architektur entdecken
- die Fundació Antoni Tapiés besuchen, im schönen Restaurants des Caixa Forums zu Mittag essen und auf einer kunsthistorische Führung einen tiefen Einblick in Picassos Frühwerk erhalten.
- auf einem Nightwalk migrantische Lebens- und Arbeitswelten kennenlernen
- mit Aktivisten und Urban Studies Spezialisten einen kritischen Blick auf Barcelonas Städteplanung und ihre ungeahnten Folgen werfen.
- Café trinken in Garten von La Central, diskutieren, plaudern und abends zum Tapas essen gehen
Nähere Infos:
- Kosten: 660 Euro (plus ca. 150-180 Euro für Eintrittskarten, Führungen, Metrotickets etc.)
- Wohnen in Barcelona sollte selbst organisiert werden, ich kann aber gerne Empfehlungen geben
- An- und Abreise sollte individuell organisiert werden
- Wohnen und Anreise sind nicht im Preis inbegriffen
- Die Teilnehmerzahl ist auf 12 begrenzt



